Dass Barack Obama in Philadelphia eine herausragende Rede (hier als Video) über die Rolle der Rassenfragen in Amerika gehalten hat, wird nur von einigen seiner politischen Feinden bestritten. Aber es herrscht auch Konsens, dass die Kritik an Obama und seiner Verbindung zum radikalen Prediger Jeremiah Wright ein Thema bleiben wird - mit offenen Ergebnis. Dan Balz von der Washington Post beschäftigt sich noch einmal ausführlich mit den Wirkungen der Rede und kommt zu diesem Schluss: "What made Tuesday's speech so difficult for Obama was the challenge of trying to speak through the anger - the anger of Wright's words and the anger among those now first exposed to them - and move the country and the conversation to a different level. That was doubly difficult because his relationship with Wright was so personal that trying to explain Wright was not enough; he also had to explain something about himself. Rhetorically he accomplished it, but it is not certain by any means that politically he did the same."
Ähnlich sieht es Michael Crowley von The New Republic: "It's sure to be a hit with elite commentators, not to mention racially super-enlightened liberal Democratic primary voters. But those weren't the people Obama needed to reach today. His target audience was working class white voters -Reagan Democrats with a historic tendency to let racial prejudice and fear override their other social and economic interests, and whose view of Obama the Jeremiah Wright controversy threaten to permanently warp."
Die Predigten von Jeremiah Wright werden bei Youtube stark nachgefragt, einzelne Videos wurden bereits mehr als 500 000 Mal angesehen - und haben in Form von neu geschnittenen Beiträge ein reges Eigenleben entwickelt, berichtet die Washington Post. Ausgerechnet bei Youtube würden jetzt viele weiße Amerikaner, die noch nie eine schwarze Kirche betreten oder gar einen schwarzen Gottesdienst besucht hätten, zum ersten Mal mit Predigten der Schwarzen konfrontiert - und viele von ihnen regierten auch via Youtube. "A lot of white Americans have never been to a black church. They don't know what's said. They don't know what it's like. So seeing Wright on cable, on YouTube, comes as a shock." Die Rede von Obama wurde bei Youtube bereits mehr als 1,6 Millionen Mal abgefragt. Inzwischen gibt es auch ein Folge von fünf Videos in besserer Qualität.
Wer mehr über das Thema erfahren will hat eine reichhaltige Auswahl (zum Teil via RealClearPolitics):
Obama und sein Mr. Wright - Blobb
Groups Respond to Obama's Call for National Discussion about Race - New York Times
Was Obama's Speech Enough? - Joan Walsh, Salon
Why Obama's Speech Was a Success - Steve Kornacki, New York Observer
GOP Sees Wright as Pathway to Victory - Jonathan Martin, The Politico
Three Big Problems with the Speech - Michael Medved, Townhall
Historic Speech Was Obama's Lincoln Moment - Tim Rutten, LA Times
The Issue is Rev. Wright, Not Race - Dean Barnett, Weekly Standard
Obama's Unique Balancing Act - Wallsten & Nicholas, Los Angeles Times
Black, White and Gray - Maureen Dowd, New York Times
Obama Did Little to Address Pastor - Michael Gerson, Washington Post
Race, Wright and Obama's Candidacy - Jay Cost, RealClearPolitics
Racial Problems Transcend Wright Issue - Vandehei & Harris, The Politico
Landmark Speech is a Road Map - Eugene Robinson, Washington Post
Hate is Not to Be Endlessly Analyzed - Mark Davis, Dallas Morning News
What Obama's Speech Really Meant - Robert Tracinski, Intellectual Activist
Wright's Rantings Won't Sink Obama - Dick Morris, The Hill
In den aktuellen Umfragen fällt Obama deutlich zurück. Bei einer neuen
Zogby/Reuters-Erhebung ist sein nationaler Vorsprung vor Hillary Clinton auf drei Prozentpunkte geschrumpft, im Februar waren es noch zwölf Punkte. Nach diesen Daten würde er gegen John McCain deutlich verlieren (40 zu 46 Prozent), deutlicher noch würde Clinton gegen McCain unterliegen (40 zu 48 Prozent). Zogby-Umfragen waren nicht immer zuverlässig und sind auf jeden Fall nur eine Momentaufnahme - aber der Trend geht auch bei
Gallup in eine ähnliche Richtung. Hier liegt Clinton seit dem 15. März wieder vor Obama, der Abstand wächst. Offensichtlich leidet Obama unter der Wright-Debatte - immerhin ein Drittel aller Wähler sagen in einer
CBS-Umfrage, die Kontroverse habe einen negativen Effekt auf ihr Bild von Obama. Und McCain profitiert kräftig vom Streit der Demokraten untereinander.
In Pennsylvannia, wo die nächste entscheidende Schlacht der Demokraten stattfindet, scheint Clinton ihren Vorsprung auszubauen. Laut PPP liegt sie jetzt 26 Prozentpunkte vor Obama. Im Durchschnitt der letzten Umfragen führt sie mit 17 Prozentpunkten.
Michigan hat sich eigentlich schon (wie Florida) gegen eine Wiederholung der ungültigen Wahl der Demokraten entschieden - doch Hillary Clinton kämpft weiter. Gestern garantierten hochrangige Politiker aus ihrem Lager, die dafür notwendigen 12 Millionen Dollar aufzubringen. Die Demokraten vor Ost sähen jedoch zu viele rechtliche und bürokratische Probleme, schreibt The Caucus. Zudem seien sie von der Blockade-Taktik des Obama-Lagers frustriert, berichtet CNN.
Sollten aber weder die Delegierten aus Florida noch aus Michigan auf dem Parteitag gezählt, werden Clintons Chancen auf die Nominerung immer geringer, berechnet Slate's Delegate Calculator: "As of now, she would need to win each remaining state by 28 points to catch Obama in pledged delegates. That's a Herculean task, and even an average margin of victory of 14 points is difficult because of Obama's strengths in North Carolina, Oregon, Montana, and South Dakota. The light at the end of the tunnel has disappeared from Hillary's already-bleak path to pledged delegate supremacy."
Der Irak-Krieg kam gestern dank des Kalenders auf die Agenda. Hillary Clinton nutze den Termin, um den Oberkommandierenden, General David Petraeus, zu loben: Er sei ein “extraordinary leader and a wonderful advocate for our military.”
Barack Obama kritisierte sowohl Clinton als auch McCain und George Bush für ihre Kritik an seiner Irak-Haltung: “Senator Clinton, Senator McCain and President Bush have made the same arguments against my position on diplomacy – as if reading from the same political playbook. They say I’ll be penciling the world’s dictators on to my social calendar, but just as they are misrepresenting my position, they are mistaken in standing up for a policy of not talking that is not working.” Zudem griff er einen Versprecher von McCain vom Vortag auf: "Just yesterday, we heard Senator McCain confuse Sunni and Shiite, Iran and al Qaeda. Maybe that is why he voted to go to war with a country that had no Al Qaeda ties."
Wie angekündigt hat die Clinton-Library alle Dokumente aus der Amtszeit von Hillary Clinton als First Lady ins Internet gestellt. Hunderte amerikanische Journalisten wühlen sich durch die mehr als 11000 Seiten - und sind dabei offenbar nicht zu beneiden: "The dry records carry all the emotional punch of a factory worker’s time card, showing where she was for much of her eight years in the White House but telling nothing about what she was saying, thinking or doing," scheibt John Broder in der NYT. Zudem sind die Papiere bearbeitet worden: 4400 Seiten seien durch Schwärzungen zum Teil unlesbar gemacht worden, oft nennt der Kalander nur "private meetings" ohne weitere Details. Die Washington Post wagt einen ersten Überblick.
Offenbar lassen sich in den Dokumenten doch echte Sensationen finden, wie es zum Beispiel dem US-Sender ABC gelang: "Hillary Clinton spent the night in the White House on the day her husband had oral sex with Monica Lewinsky, and may have actually been in the White House when it happened." Und auch CNN steigt ein:Hillary Clinton was in the White House on a half dozen days when her husband had sexual encounters with Monica Lewinsky, according to the first lady's calendar. A look at her schedule on days when Lewinsky said she had sexual encounters with Bill Clinton:" Und dann listet CNN tatsächlich auf, was genau Hillary an den sechs Tagen tat, an denen Lewinsky sich nach eigenen Angaben mit Bill im Weißen Haus vergnügte.
Kommentare
Mo, 06.09.2010 22:18
I'm proud of him, he is the be st..I stand fully behind him
Fr, 28.05.2010 18:39
Historischer Umbau? Du hast sc hon mitbekommen, dass von den ursprünglichen Plänen nicht vi el übrig geblieben ist u [...]
So, 14.02.2010 12:48
Herzlichen Dank für die Überse tzung. Auch wenn ich gewusst h ätte, dass es später eine Über setzung geben würde, ich [...]
Mi, 20.01.2010 00:29
Eine Einordnung, die Ihrer ähn elt, hat der großartige Robert Misik in seinem Videocast für den Standard abgegeben. [...]
Di, 05.01.2010 18:06
super gemacht.I like it.sehr d eutlich und gut zusammengefass t.