Die politische Biographie von Barack Obama ist kurz, aber nicht kurz genug, um nicht doch Stoff für Skandalgeschichten zu bieten. Zum Beispiel Obamas Beziehungen zu Antoin Rezko, der ausgerechnet am 3. März wegen Korruptionsvorwürfe vor Gericht kommt. Und der nicht nur für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Spenden gesammelt hat, sondern der Familie Obama ein Grundstück verkauft hat. Was ist wirklich dran an der Geschichte von "Obamas Slumlord"?
Die Geschichte ist in den USA seit zwei Jahren bekannt, die Beziehung zwischen dem Immobilien-Entwickler, der in der berüchtigten Chicagoer Szene unterwegs und dabei offenbar auch vor Betrug und Bestechung nicht zurück schreckte, und dem jungen Anwalt, der sich schnell zu einem politischen Star entwickelte. Doch zu einem Wahlkampf-Thema wurde
Antoin Rezko erst mit
Hillary Clintons Vorwurf während der
CNN-Debatte Ende Januar in Myrtle Beach:
"I was fighting against those ideas when you were practicing law and representing your contributor, Rezko, in his slum landlord business in inner city Chicago."Ein Vorwurf, den Obama leicht kontern konnte (er habe nur fünf Stunden in einem gemeinsamen Projekt seiner Anwaltsfirma mit Rezkos Firma zusammen gearbeitet). Doch damit war Rezkos Name wieder in der Debatte - und vor allem ein Hauskauf, den die Familie Obama mit Hilfe Rezkos und dessen Gattin erfolgreich abgewickelte hatte. Und mit dem Beginn des Gerichtsverfahrens am 3. März, einen Tag vor den entscheidenden Wahlen in Ohio und Texas, geht das Thema wieder durch die Medien und Blogs.
Die Geschichte von Freundschaft und Betrug
Tatsächlich kennen sich Obama und Rezko seit 1990. Noch als Harvard-Student bekam Obama ungefragt ein Jobangebot von Rezko, der sein Geld damit verdiente, alte Gebäude in billige Wohnungen umzubauen und zu vermarkten - oft mit öffentlichen Subventionen. Obama lehnte ab.
1993 arbeitete Obama für eine kleine Anwaltskanzlei, die vor allem gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften vertrat. Eine dieser Gesellschaften verhandelte 1995 mit Rezkos Firma über den gemeinsamen Umbau eines Altersheim, was schließlich zu einem Co-Projekt führte. Obama beriet zunächst die gemeinnützige Gesellschaft als Klienten - und schließlich fünf Stunden lang auch das gemeinsame Projekt. Soweit die beruflichen Beziehungen, auf die Clinton abzielte.
Spender und privater Geschäftspartner
Wovon Clinton nicht sprach, aber was Obamas Kandidatur weit mehr belasten könnte, ist das Verhältnis Rezkos zum Privatmann Obama und zum Politiker Obama. Schon bei seinem ersten Wahlkampf, 1995 für den Senat in Illinois, spendeten Rezkos Firmen 4 000 Dollar. Obama gewann - und repräsentierte fortan einen Bezirk, in dem Rezko geschäftlich aktiv war. Doch 2001 bröckelte dessen Imperium, er konnte Kredite nicht mehr bedienen, der Staat zwangsvollstreckte das frühere Alterheim. Doch als Obama 2003 für den US-Senat kandidierte war Rezko Mitglied seines Finanzkommittees und organisierte eine Spendenparty in seiner Villa.
2005 war für die Familie Obama finanziell ein gutes Jahr - Obamas Bücher zahlten sich mit 1,2 Millionen Dollar aus. Daher wollte die Familie ein Haus im Chicagoer Stadteil Hyde Park kaufen, das allerdings nur im Paket mit einem angrenzenden Grundstück zu haben war. Das konnten die Obamas nicht auch noch bezahlen, weil sie mit dem Preis für das Haus bereits ihre Möglichkeiten ausgereizt hatten.
Doch erneut kam Rezko zur Hilfe. Zunächst hatte er gemeinsam mit Obama das Haus besichtigt, weil er sich ja mit Immobilien auskannte. Das Haus sollte 1,95 Millionen Dollar kosten - die Obamas boten zunächst 1,3 Millionen, dann 1,5 und schließlich 1,65 Millionen und bekamen im Juni 2005 den Zuschlag. Gleichzeitig erwarb Rezkos Frau Rita das Grundstück nebenan für den geforderten Preis von 625 000 Dollar ohne Abschlag. Die Verkäufer versicherten hinterher öffentlich, dabei keinen schmutzigen Deal gemacht zu haben - die Obamas hatten das beste Angebot vorgelegt, bei dem Nachbargrundstück habe es weitere Bieter gegeben.
Der Freund - ein Betrüger
Inzwischen wurden die Betrugs- und Korruptionsvorwürfe gegen Rezko öffentlich, das FBI ermittelte. Trotzdem kauften die Obamas Ende 2006 einen Teil des Nachbargrundstücks von Rita Rezko für 104 500 Dollar. Auch hier lässt sich keine verdeckte Hilfe für die Obamas entdecken - denn die Rezkos verkauften das Restgrundstück wenig später für 575 000 Dollar und machten somit einen solilden Gewinn von 54 000 Dollar.
Im Oktober 2006 wird Rezko wegen Betrugs verurteilt. Obama spendet rund 85 000 Dollar, die von Rezko oder dessen Freunden gekommen waren, für soziale Zwecke. Damit ist für ihn die Sache erst einmal erledigt. Doch berichtet die Chicago Sun-Times aus anonymen Quellen, in Wahrheit habe Rezko mindestens dreimal so viel Geld für Obama eingesammelt. Und ABC News recherchierte in den Wahlunterlagen, dass Rezko und Co. allein in der Senats-Kampagne 2004 rund 120 000 Dollar eingesammelt hatten, zu einer Zeit, als das FBI bereits ermittelte.
Obama verteidigt sich, sein Verhältnis zu Rezko "sei ehrenhaft und legal" gewesen - räumt aber eine schlechte Beurteilung der Lage ein. Er habe damals einen "bone-headed mistake" (dickköpfigen Fehler) begangen.
Schlechtes Urteilsvermögen - und ein gefundenes Fressen für alle Gegner
Unter dem Strich bleibt ein schlechter Geschmack zurück. Zwar ist ihm kein rechtliches Fehlverhalten vorzuwerfen. Auch die Spenden dürfte er guten Gewissens angenommen haben. Doch dass der Politiker und Privatmann Barack Obama mit einem Mann befreundet war und Geschäfte macht, der unter Betrugsverdacht steht, macht ihn angreifbar. Und wenn es nur wegen seines schlechten Urteilsvermögens ist.
Vor allem ist die Geschichte für den politischen Gegner eine willkommene Gelegenheit, jetzt innerhalb der Demokraten und später erst recht für die Republikaner. Zwar gibt es genügend seriöse Medien und mehrere Fact Checker, die den Wahrheitsgehalt solcher Vorwürfe ans Licht bringen - doch so tief informieren sich nur die wenigsten Wähler.
Und Obamas Biographie bietet noch mehr Stoff. Zum Beispiel seine Bekanntschaft mit William Ayers und Bernardine Dohrn, zwei Altlinke - oder doch eher zwei ehemalige Terroristen?
Quellen: Bloomberg, ABC News, Chicago Sun-Times
Kommentare
Mo, 06.09.2010 22:18
I'm proud of him, he is the be st..I stand fully behind him
Fr, 28.05.2010 18:39
Historischer Umbau? Du hast sc hon mitbekommen, dass von den ursprünglichen Plänen nicht vi el übrig geblieben ist u [...]
So, 14.02.2010 12:48
Herzlichen Dank für die Überse tzung. Auch wenn ich gewusst h ätte, dass es später eine Über setzung geben würde, ich [...]
Mi, 20.01.2010 00:29
Eine Einordnung, die Ihrer ähn elt, hat der großartige Robert Misik in seinem Videocast für den Standard abgegeben. [...]
Di, 05.01.2010 18:06
super gemacht.I like it.sehr d eutlich und gut zusammengefass t.