Bei aller Begeisterung für Barack Obamas Charisma wird leicht vergessen, wer der neue Hoffnungsträger der Amerikaner ist und wofür er steht. Daher ein paar Fakten über seine Person und seine Positionen.
Biografie: Der Sohn einer Weißen aus Kansas und eines Gaststudenten aus Kenia hat eine exotische Jugend. Er wurde am 4. August 1961 in Honolulu auf Hawaii geboren und verbrachte dort seine Kindheit bei den Eltern seiner Mutter. Später verlebte er mehrere Jugendjahre mit seinem Stiefvater in Indonesien. Er studierte an der Columbia University und ist Absolvent der renommierten Harvard Law School. Dort wurde er als erster schwarzer Chefredakteur des Harvard Law Review bekannt. Nach Jahren als Organisator schwarzer Community-Einrichtungen und Anwalt in Chicago trat der glänzende Redner 1997 in die Politik ein, als Senator in Illinois. 2004 wurde er Junior-Senator in Washington. Mit einer fulminanten Rede beim Parteitag der Demokraten im selben Jahr gelang sein nationaler Durchbruch.
Berater: Die zweitwichtigste Person in Obamas Umfeld ist sein Chefberater David Axelrod. Die beiden arbeiteten bereits eng zusammen, als Obama noch ein unbekannter Abgeordneter im Senat von Illinois war. Axelrod stammt aus der Werbebranche, hat aber reichlich politische Erfahrung. So beriet er im Wahlkampf 2004 John Edwards. Die wichtigste Beraterin ist jedoch seine Gattin, Michelle Obama. Ihren Mann lernte die Harvard-Absolventin und erfolgreiche Juristin in der Chicagoer Kanzlei Sidley and Austin kennen – als er 1988 dort ein Praktikum machte. Die 43-jährige Mutter von zwei Kindern war zwar anfangs gegen Obamas Kandidatur für das Weiße Haus, treibt ihn jetzt aber unermüdlich an. Sie hat jedoch auch klargemacht, dass er nur eine Chance hat: „Entweder wir gewinnen jetzt oder nie.“
Bücher: Barack Obama macht es seinen Biografen schwer, weil er die besten Bücher über Barack Obama selbst schreibt. Bereits mit 33 Jahren veröffentlichte er mit „Dreams from my Father: A Story of Race and Inheritance“ seine erste Autobiografie. Darin schildert e in glänzender Prosa die Suche nach seinem Vater und verarbeitet seine eigene Jugend als Afroamerikaner in einem weißen Umfeld. Sein zweites Buch, das 2005 veröffentliche „The Audacity of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream“ (auf deutsch unter dem Titel „Hoffnung wagen“ erschienen) ist dagegen ein programmatisches Buch, in dem er bereits weite Teile seiner politischen Vorstellungen ausbreitet. Beide Bücher sind in den USA längst Bestseller geworden.
Außenpolitik: Der Kandidat verweist häufig auf seine persönliche Erfahrung: die Familie seines Vaters lebt in Kenia, er verbrachte selbst als Jugendlicher einige Jahre in Indonesien. Daher sei er besser als andere geeignet, Amerikas Ansehen in der islamischen Welt wieder herzustellen. Er hält an der besonderen Verantwortung der USA in der Welt fest. Zur Not seien Interventionen auch ohne Uno-Mandat gerechtfertigt, argumentiert er in seinem Buch „Dreams of My Father“. Er hat von Anfang an gegen den Irak-Krieg opponiert und plädiert für einen Abzug der Truppen binnen von 16 Monaten. Der Kampf gegen den Terror müsse vor allem in Afghanistan und Pakistan geführt werden. Mit Iran würde er direkt verhandeln. Im Senat sitzt er seit drei Jahren dem Europa-Ausschuss vor, hat es aber nur ein Mal bis London geschafft.
Innenpolitik: Das Thema Minderheiten und die Rolle der Schwarzen in den USA vermeidet Obama im Wahlkampf möglichst. In der Einwanderungspolitik, dem wichtigsten inneren Thema, will er den Immigranten einen Weg zur Legalisierung ihres Status’ öffnen, er will aber auch durch einen Ausbau der Grenzsicherung den Zustrom der Einwanderer eindämmen. Ein Gastarbeiterprogramm lehnt er aus arbeitsmarktpolitischen Gründen ab. Die Krankenversicherung will er auf fast alle Amerikaner ausdehnen und eine öffentliche Kasse gründen, die Privatpersonen und kleineren Unternehmen bei der Finanzierung der Gesundheitskosten unterstützt. Im der Klimapolitik will er die Emmissionen bis 2050 um 80 Prozent reduzieren, dazu sollen handelbare Verschmutzungsrechte nach EU-Vorbild eingeführt werden.
Wirtschaft: Wie alle Demokraten will Obama die Steuerpolitik der Bush-Administration umkehren und statt der Unternehmen und Wohlhabenden die Mittelschicht (sowie Senioren) entlasten, die von der Immobilen-Krise besonders stark betroffen seien. Dies soll durch die Schließung von Steuerschlupflöcher und die Rücknahme von Privilegien der Energieindustrie finanziert werden. In der Handels- und Währungspolitik gegenüber China plädiert er für eine unnachgiebige Haltung. Insgesamt ist seine Wirtschaftspolitik liberaler als die seiner demokratischen Konkurrenten. Zudem gilt er als Anhänger moderner wirtschaftswissenschaftlicher Ansätze wie der „Behavioral Economics“, die stärker auf Anreize denn auf gesetzliche Regelungen basieren.
Obamas Vorstellung zu vielen politischen Fragen finden sich auf seiner Internetseite.
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Kommentare
Mo, 06.09.2010 22:18
I'm proud of him, he is the be st..I stand fully behind him
Fr, 28.05.2010 18:39
Historischer Umbau? Du hast sc hon mitbekommen, dass von den ursprünglichen Plänen nicht vi el übrig geblieben ist u [...]
So, 14.02.2010 12:48
Herzlichen Dank für die Überse tzung. Auch wenn ich gewusst h ätte, dass es später eine Über setzung geben würde, ich [...]
Mi, 20.01.2010 00:29
Eine Einordnung, die Ihrer ähn elt, hat der großartige Robert Misik in seinem Videocast für den Standard abgegeben. [...]
Di, 05.01.2010 18:06
super gemacht.I like it.sehr d eutlich und gut zusammengefass t.